Die erneuten antisemitischen Vorfälle an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle machen mich fassungslos. Antisemitische Flugblätter, Verschwörungserzählungen und gezielte Stimmungsmache gegen jüdisches Leben dürfen an keiner Hochschule Platz haben – schon gar nicht in Deutschland.
Für mich ist klar: Wer jüdische Gemeinden oder jüdische Menschen pauschal angreift, betreibt keinen legitimen politischen Diskurs, sondern offenen Antisemitismus. Das muss auch genau so benannt werden.
Besonders besorgniserregend ist dabei, dass dies nicht der erste Vorfall dieser Art an der Burg ist. Es entsteht zunehmend der Eindruck eines wiederkehrenden Musters. Deshalb stelle ich ganz offen die Frage: Was wurde nach den bisherigen Vorfällen eigentlich aufgearbeitet? Welche Konsequenzen wurden gezogen? Und warum kommt es trotzdem erneut zu solchen Entwicklungen?
Die Hochschulleitung darf sich hier nicht länger wegducken. Hochschulen tragen Verantwortung für das Klima auf ihrem Campus. Sie müssen ihre Studentinnen und Studenten vor Diskriminierung schützen und deutlich machen, dass Antisemitismus niemals toleriert wird.
Es ist gut, dass die Hochschulleitung dementsprechend auch reagiert und nun rechtliche Schritte prüft. Ich hoffe, dass damit ein größerer Erfolg erzielt wird, als der Umgang mit vergangenen Vorfällen. Jüdisches Leben darf nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Ein Klima, in dem sich jüdische Studenten nicht mehr sicher und willkommen fühlen können, ist absolut inakzeptabel.
Ich hoffe deshalb, dass dieses Handeln der Verantwortlichen konsequent bis zum Ende durchgezogen wird. Es darf keine Beschwichtigungen geben. Antisemitismus darf niemals relativiert oder als Randproblem behandelt werden.
Gemeinsam mit Andreas Silbersack setze ich mich dafür ein, dass solche Vorfälle klar benannt und entschieden bekämpft werden.