Pflege braucht Entlastung statt neuer Belastungen

Die Pflege steht in Sachsen-Anhalt unter enormem Druck. Pflegebedürftige, Angehörige, Pflegekräfte und Einrichtungen spüren täglich, dass das System an seine Grenzen kommt. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt, gleichzeitig fehlen Fachkräfte, bürokratische Vorgaben nehmen zu und die Eigenanteile für Pflegebedürftige werden immer höher.

Die aktuelle Debatte um steigende Pflegekosten zeigt: Es braucht endlich tragfähige Lösungen, die Pflegebedürftige entlasten, Einrichtungen handlungsfähig halten und Pflegekräfte im Beruf stärken.

Eigenanteile steigen – Pflegebedürftige brauchen echte Entlastung

Die aktuelle Berichterstattung macht deutlich, wie groß die Sorgen vieler Betroffener inzwischen sind. Wenn Eigenanteile in Pflegeheimen weiter steigen, geraten immer mehr Menschen finanziell unter Druck. Die Diskussion um mögliche Zuschüsse zeigt zwar, dass das Problem erkannt wird – sie darf aber nicht dazu führen, dass Lasten nur verschoben werden.

Entlastung muss zielgerichtet, verlässlich und sozial ausgewogen sein. Wer Pflege benötigt, darf nicht automatisch in Armut gedrängt werden. Gleichzeitig müssen Pflegekassen, Land und Bund gemeinsam dafür sorgen, dass Pflegeeinrichtungen nicht zwischen steigenden Kosten, Personalmangel und langen Verwaltungsverfahren zerrieben werden.

Bürokratie abbauen, Pflegekräfte stärken

Für uns ist klar: wir müssen Bürokratie abbauen. Pflegekräfte brauchen mehr Zeit für Menschen und weniger Zeit für Dokumentationspflichten. Deshalb sollen doppelte Strukturen reduziert und Dokumentationspflichten stärker auf das Wesentliche konzentriert werden. Denkbar ist etwa, nur dann verpflichtend zu dokumentieren, wenn von der vereinbarten pflegerischen Leistung abgewichen wird.  

Auch die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle, körperliche Entlastung durch Hilfsmittel, Weiterbildungsmöglichkeiten und mehr Entscheidungsfreiheit im Pflegealltag. Wer Pflegekräfte gewinnen und halten will, muss den Beruf attraktiver machen – nicht nur durch Wertschätzung in Worten, sondern durch bessere Rahmenbedingungen.

Ausbildung und Anerkennung schneller, flexibler und praxisnäher gestalten

Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre. Deshalb müssen Ausbildung und Anerkennung ausländischer Abschlüsse praxistauglicher werden.

Wir sprechen uns dafür aus, die generalistische Pflegeausbildung weiterzuentwickeln und die Durchlässigkeit zwischen Pflegehilfe und Pflegefachkraft zu verbessern. Eine neue Struktur könnte Auszubildenden ermöglichen, zunächst gemeinsam zu starten und sich später entsprechend ihrer Eignung und Perspektive zu spezialisieren.  

Ebenso wichtig ist eine schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Wenn alle Unterlagen vollständig vorliegen und Arbeitgeber bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, sollte eine vorläufige Arbeitserlaubnis möglich sein. So können dringend benötigte Pflegekräfte schneller in den Einrichtungen ankommen.

Pflegeversicherung generationengerecht reformieren

Die Finanzierung der Pflege muss langfristig neu aufgestellt werden. Wir fordern als FDP eine Reform der Pflegeversicherung, die versicherungsfremde Leistungen reduziert, kapitalgedeckte Elemente stärkt und private sowie betriebliche Pflegevorsorge besser ermöglicht. Ziel ist ein System, das nicht allein immer höhere Beiträge auf die jüngeren Generationen abwälzt.  

Gleichzeitig braucht es Unterstützung für pflegende Angehörige. Sie sind eine tragende Säule des Pflegesystems und leisten jeden Tag unverzichtbare Arbeit. Digitale Informationsangebote, entbürokratisierte Hilfen und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege müssen weiter ausgebaut werden.

Die Probleme liegen auf der Hand, mögliche Lösungen haben wir bereits seit langer Zeit vorgelegt. Es liegt an der Bundesregierung, endlich für tiefgreifende Reformen zu sorgen.