Social-Media-Verbot bis 14? Falsche Antwort auf echte Sorgen.

Auf ihrem Bundesparteitag am vergangenen Wochenende in Stuttgart hat die CDU beschlossen, ein gesetzliches Mindestalter von 14 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke zu fordern – verbunden mit zusätzlichen „Schutz“-Regeln bis 16. 
Ich verstehe die Motivation: Viele Eltern, Lehrkräfte und Jugendliche selbst erleben täglich, wie sehr Social Media belasten kann. Aber ein pauschales Verbot ist aus unserer Sicht der falsche Weg. Hier erkläre ich euch, was meine Argumente sind.

1) Keine pauschale Bevormundung von Jugendlichen

Ein Gesetz, das allen unter 14 pauschal den Zugang verbietet, behandelt eine ganze Altersgruppe so, als sei sie grundsätzlich nicht in der Lage, verantwortungsvoll mit digitalen Räumen umzugehen. Das ist nicht nur lebensfremd, es blendet aus, dass Reife, Umfeld und Medienerfahrung sehr unterschiedlich sind. Freiheit heißt auch: nicht jede Herausforderung mit einem Verbot „wegregeln“.Viel eher verschiebt es Probleme und sorgt dafür, dass der Erziehungsauftrag, der bei den Eltern liegt, immer mehr staatlich organisiert wird.

2) Verantwortung gehört in die Familie – mit Unterstützung, nicht mit Verboten

Politik setzt Rahmenbedingungen, aber ist ein solch massiver Eingriff wirklich das? Eltern sollen Entscheidungen für und mit ihren Kindern treffen: Welche Apps? Welche Zeiten? Welche Inhalte? Welche Regeln? Das ist der Weg, den ein Staat gehen sollte: den Menschen und den Eltern vertrauen statt sie zu bevormunden.
Politik kann dabei helfen – durch Aufklärung, Beratungsangebote und gute Informationen. Aber sie sollte nicht den Erziehungsauftrag durch ein pauschales Verbot ersetzen.

3) Umsetzungsprobleme: Verbot auf dem Papier, Umgehung in der Praxis

Schon heute existieren Mindestalter-Regeln in den Nutzungsbedingungen vieler Plattformen (häufig ab 13 Jahren). Instagram nennt in seinen Bedingungen 13 als Mindestalter. TikTok weist ebenfalls auf ein Mindestalter von 13 hin. 
Die Realität ist: Diese Grenzen werden massenhaft umgangen – mit ein paar Klicks beim Geburtsdatum oder über Accounts Dritter. Ein staatliches „Verbot bis 14“ löst dieses Vollzugsproblem nicht automatisch, sondern schafft neue:

  • Altersprüfung: Wie soll sie datenschutzfreundlich, sicher und alltagstauglich funktionieren – ohne flächendeckende Ausweispflicht im Netz?
  • Durchsetzung: Wer kontrolliert das? Staat, Plattformen, Eltern?
  • Ausweichbewegungen: Jugendliche wandern auf weniger regulierte Angebote aus – mit potenziell noch schlechterem Schutz.

Wenn wir ehrlich sind: Ein Verbot, das in der Praxis kaum durchsetzbar ist, produziert vor allem Symbolpolitik – und am Ende Frust. Die Auswirkungen könnten ebenfalls sein, dass sich entsprechende Plattformen zurückziehen. Ob das wirklich das Ziel sein sollte, wage ich zu bezweifeln.

4) Medienkompetenz hängt nicht am Alter – sondern an erlernten Fähigkeiten

Der Kern ist doch: Medienkompetenz ist eine Kompetenzfrage, keine Geburtstagsfrage.
Wir brauchen einen starken Fokus darauf, was junge Menschen lernen müssen (und Erwachsene übrigens auch): Privatsphäre, Werbung erkennen, Desinformation einordnen, Umgang mit Mobbing, Suchtmechanismen verstehen, Meldewege kennen, Zeitmanagement – und das Selbstbewusstsein, sich Hilfe zu holen.

Das erreichen wir nicht durch eine rote Linie bei „14“, sondern durch verschiedene Maßnahmen. Beispielsweise einer Offensive für Medienbildung, Angebote für Eltern und transparente und niedrigschwellige Informationen. Natürlich müssen auch die Plattformen in die Verantwortung genommen werden – aber neue Regelungen lösen das Problem nicht. Dort halte ich einen Dialog für wichtig, um gemeinsam nach Lösungen dafür zu suchen und mögliche Maßnahmen oder ein stärkeres Engagement zu besprechen.

Mein Fazit

Wer Kinder und Jugendliche im Netz schützen will, muss die Plattformen stärker in die Pflicht nehmen und Kompetenzen stärken, statt mit pauschalen Verboten Freiheit vorzutäuschen – und die Realität zu ignorieren.
Für uns gilt aber klar: ein Staat, der seinen Bürgern immer weniger vertraut und in private Entscheidungen eingreift, wird nicht funktionieren.