Vater Staat ist nicht der Erziehungsberechtigte – auch nicht im Netz

Ich habe im Landtag von Sachsen-Anhalt noch einmal klar gemacht: Ein pauschales Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche lehne ich ab. Anlass der Debatte war ein SPD-Antrag zur „altersgerechten Social-Media-Nutzung“. Für mich ist entscheidend: Verbote klingen nach schneller Lösung – sind es aber nicht. Das zeigen auch die Erfahrungen aus anderen Ländern

Social Media ist ein Marktplatz – und den sperrt man nicht ab

Ich vergleiche Social Media gern mit einem großen, unübersichtlichen Marktplatz. Dort wird diskutiert, gelacht und sich ausgetauscht – aber es wird auch gedrängelt, geschubst und gestritten. Ebenfalls findet dort ein Teil des gesellschaftlichen Lebens ab.  Nur weil es dort Konflikte gibt, sperrt man keinen Marktplatz ab. Genauso wenig sollte man Social Media pauschal verbieten.

Und ich sage ganz deutlich: Vater Staat ist nicht der Erziehungsberechtigte – weder im Kinderzimmer noch im Netz! Eltern tragen Verantwortung, setzen Grenzen und begleiten ihre Kinder. Politik sollte ihnen dabei helfen und nicht die Rolle abnehmen.

Warum ein pauschales Verbot nicht hilft

Ich halte nichts von einer Verbotslogik, weil sie kein einziges Problem löst, sondern es ins Verborgene drängt. Was verboten wird, passiert heimlich. Dann verlieren Eltern den Einblick und Lehrkräfte den Zugang. Genau das macht es schwieriger, Probleme früh zu erkennen und Jugendliche zu unterstützen.

Ein Verbot würde eine ganze Generation ausschließen, ohne Manipulation, Hass oder Desinformation wirklich zu beseitigen. Und vor allem: Wer Jugendliche effektiv kontrollieren will, muss am Ende alle kontrollieren. Das führt schnell zu überzogenen Kontrollinstrumenten, die nicht nur Jugendliche betreffen, sondern unsere Freiheit insgesamt. Außerdem ergeben sich dadurch Kontrollinstrumente, die bei falschen Mehrheiten massiv missbraucht werden.

Mein Vorschlag: Medienkompetenz statt Sperren

Wenn ich eines will, dann das: verbindliche Medienbildung von Anfang an. Wer lesen, rechnen und selbstständig denken lernt, muss auch lernen, zu klicken, zu posten und zu hinterfragen. Medienkompetenz gehört für mich in alle Lehrpläne, nicht als Randthema, sondern als Grundfähigkeit.

Dazu gehört zum Beispiel:

  • Desinformation erkennen und Quellen prüfen
  • Privatsphäre schützen und Risiken verstehen
  • respektvoll kommunizieren und Konflikte einordnen
  • Mechanismen von Plattformen (Algorithmen, Trends, Sogeffekte) verstehen

Freiheit schützen: Anonymität ist ein hohes Gut

Ich warne außerdem davor, aus gut gemeintem Jugendschutz am Ende ein System zu machen, das alle Menschen im Netz identifizierbar macht. Das Recht auf anonyme Meinungsäußerung ist ein hohes Gut in einer freien Gesellschaft. Wer hier zu weit geht, gefährdet Datenschutz und Meinungsfreiheit. Das darf nicht das Ziel sein.

Fazit

Ein pauschales Social-Media-Verbot für Kinder- und Jugendliche wäre Symbolpolitik. Es macht den digitalen Raum nicht automatisch sicherer und es macht Nutzung oft nur unsichtbarer und unterläuft die Autorität von Eltern und Schulen.

Mein Weg ist deshalb: Bilden, befähigen, Verantwortung stärken – statt pauschal zu verbieten und am Ende alle zu kontrollieren.